Veröffentlichungen
Wer neugierig auf die Astrologie geworden ist findet hier in meinem Fundus sicherlich einige Texte, die von Interesse sein könnten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und denken Sie bitte daran, dass die Texte ohne meine Genehmigung nicht weiter verbreitet werden dürfen.
Erschienen in „Sternbild“ Ausgabe Dezember 2008, Rubrik: Astrologie und Liebe
Kann es zuviel Liebe geben?
Warum manche alles mutwillig zerstören.
Die meisten von uns tragen eine ideale Vorstellung von Liebe mit sich herum. Und da passt es irgendwie gar nicht ins Bild, dass es da ein Zuviel geben könnte. Doch die Erfahrung zeigt, dass es Formen von Liebe gibt, die großen Schaden anrichten können. An den Personen selbst und auch in ihrem Umfeld. Doch ob das Wissen über diese zerstörerischen Kräfte jemanden zurückhalten kann? Der Wunsch nach dieser besonderen Liebe ist oft viel zu stark.
Kann es das wirklich geben? Ein Zuviel an Liebe? Glauben mögen wir das eigentlich nicht. Schaut man auf so ein süßes, kleines Baby. Auf einen niedlichen, wuseligen Welpen oder ein maunzendes Katzenkind. Kann man die wirklich zuviel lieben? Wir alle tragen in uns eine idealisierte Vorstellung von Liebe mit uns herum, die es uns schwer macht, eine einfache Antwort auf diese Frage zu geben. Dabei würde uns allein die Logik schon weiter bringen. Wir kennen die Gesetze von Harmonie und Gleichgewicht. Wissen, dass eine Sache dann gut funktioniert, wenn sich alles in der ausgewogenen Mitte befindet. Zuwenig ist nicht gut und zuviel auch nicht. Die Überbetonung von einer Seite bringt das ganze ins Ungleichgewicht, lässt es nach der schwereren Seite kippen und damit kaputt gehen.
Wir wissen um die Auswirkungen von zuwenig Liebe. Junge Lebewesen z.B., ob Mensch oder Tier, sind auf die Zuwendung der Eltern angewiesen. Ein Zuwenig lässt sie in ihrer Entwicklung, körperlich oder seelisch, verkümmern. Doch auch die andere Seite der Medaille, das Zuviel, hinterlässt seine Spuren. Der Begriff „Affenliebe“ stammt also nicht von Ungefähr. Zumeist gehen wir davon aus, das Liebe etwas Schönes ist. Etwas, von dem man nicht genug bekommen oder geben kann. Liebe versteht alles, erträgt alles, verzeiht alles – vielleicht ist diese Vorstellung ja ein Erbe unserer jahrhundertelangen, christlichen Erziehung. Doch wenn man viel mit Menschen zu tun hat, beispielsweise auch als beratender Astrologe, stößt man immer wieder auf dieses Phänomen von zuviel Liebe und seine doch sehr heftigen Auswirkungen. Und gerade mit Hilfe der Astrologie lassen sich sehr schön drei Unterarten dieses Zuviel unterscheiden und erklärbar machen. Man kann sie den drei Planetenprinzipien von Uranus, Neptun und Pluto zuordnen.
Amour Fou – die „verrückte“ Liebe
In Sachen Liebe sind die Franzosen den meisten Völkern ja ein gutes Stück voraus. Kaum ein Volk kennt sich anscheinend so genau mit den Höhen und Tiefen des Liebeslebens aus. Sie haben diesen Begriff der amour fou geprägt, einer Liebe, die nach normalen Maßstäben gesehen absolut unvernünftig und ohne Aussicht auf Bestand ist. Die Prinzipien von Uranus lassen sich eindeutig in solchen Beziehungen nachweisen. In diesen Begegnungen ist die Liebe so groß, dass man sich über alle Konventionen, Regeln oder Maßstäben hinweg setzt. Eine Liebe bis zum „Wahnsinn“, in der die Emotionen hin- und hergerissen werden, mal die Vernunft, dann wieder das Herz siegt. Unterschiede im Alter, in der Klassenzugehörigkeit oder ihr Verstoß gegen Anstand und Sitte machen sie unberechenbar und mit vorprogrammiertem Ende. Ein Taumel der Gefühle, der die beiden Betroffenen aus ihren bisherigen Alltagsleben reißt und sie in eine einzigartige Welt des Besonderen versetzt. Quasi wie eine Naturkatastrophe bricht sie in das Leben der Betroffenen ein, sorgt für einen Wirbelsturm von Gefühlen und Ekstase und hinterlässt ein breites Feld der Verwüstung. Für Normalsterbliche bzw. Normal“liebende“ nicht nachvollziehbar, aber oft mit neidischem Blick beäugt. Manch einer wünscht sich sicherlich so eine Ausnahmeliebe, so eine Verrücktheit der Sinne. Sich selbst zu spüren in diesem Zuviel an Gefühl, sich in Hysterie und Leidenschaften zu verfangen, zu trennen, zu versöhnen und wieder auseinander zu gehen, in einem ewigen Spiel von Anziehung und Abstoßung. Denn wirklich gemacht ist die menschliche Psyche für einen uranischen Dauerliebesstrom nicht. Irgendwann brennen die Sicherungen durch, wird der Schmerz des ewig Unbestimmten, des „ich liebe dich – ich hasse dich“ einfach zu viel. Eine amour fou hat keine Zukunft und die Betroffenen wissen darum. Gerade diese Endlichkeit gibt ihr viel von ihrem Prickeln, aber eben auch von ihrem Schmerz. Wer dieses Übermaß an Liebe durchgestanden hat, ist durch eine Gefühlshölle gegangen. Was nach außen hin so leidenschaftlich, lebendig und außergewöhnlich wirkt, ist für die Liebenden oft wie eine Folter. Wie eine Krankheit, der man sich nicht entziehen kann, die man durchleiden muss und die ihre Narben hinterlässt.
Liebe mit Suchtcharakter
Ein Zuviel an Liebe kann sich auch in Form einer Beziehungssucht oder auch Bindungssucht äußern. Dabei entwickelt ein Mensch ein nahezu suchtartiges Verlangen nach der Nähe und Zuwendung einer bestimmten Person, wobei er für die Befriedigung seines Bedürfnisses viele Dinge in Kauf nimmt. Dem Suchtprinzip von Neptun gemäß idealisiert der Betroffene den Partner und hält trotz schwierigster Begleitumstände an der Beziehung fest. Er fixiert sich auf sein Gegenüber und alles andere im Leben spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Diese extreme Sucht nach Nähe wirkt auf den Partner oft irritierend, der dann beginnt, um seine Freiräume zu kämpfen. Ein Alarmsignal für den Süchtigen, der sich noch mehr Mühe gibt, noch mehr auf seine Gegenüber einzugehen und zu tun, was dieser vermeintlich von ihm erwartet. Das kann bis hin zur kompletten Selbstaufgabe gehen. Gerade Menschen mit wenig Gefühl für die eigene Person, für ihre wahren Wünsche und Bedürfnisse, laufen Gefahr, sich in einem anderen zu verlieren. Doch wer sich selbst verloren hat, kann kein ebenbürtiger Partner mehr sein. Der Schritt von einer emotionalen Abhängigkeit hin zur Hörigkeit ist nur ein kleiner. Ein Mensch, der aus einem Zuviel an Liebe seine Autonomie, seine persönliche Freiheit und menschliche Würde verloren hat, befindet sich auf einem tragischen Leidensweg. Denn aus so einem Abhängigkeitsverhältnis heraus zu kommen, ist ohne fremde Hilfe kaum möglich. Wer jetzt glaubt, dass nur Frauen in solche Abhängigkeitsverhältnisse geraten, der irrt! Wer den Roman „Lolita“ gelesen hat weiß, dass auch Männer nicht vor Beziehungssucht immun sind. Sie leiden nur anders. Während Frauen mehr in sich hineinfressen, still leiden und zu Selbstverletzungen neigen, werden Männer aggressiv und in ihrer Hilflosigkeit oftmals auch tätlich gegenüber der Person, die sie doch am meisten lieben. Es gibt sehr viele Männer, die von der emotionalen Zuwendung und Geborgenheit ihrer Partnerin abhängig werden. Doch dieser Prozess passiert oft neptunisch schleichend und wird erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist. Oftmals erst dann, wenn die Partnerin schon die Konsequenz gezogen und sich getrennt hat.
Fesselnde Leidenschaft – die fanatische Liebe
Liebes – Leidenschaft im Sinne von Pluto hat etwas Besessenes. Diese Art zu lieben ist wie ein Zwang, der ausgeführt werden muss. Aus dem man nicht einfach aussteigen kann, weil der Verstand einen warnt, die Grenzen der Selbst- oder Fremdzerstörung zu überschreiten. Wie einem inneren Instinkt folgend macht man immer weiter, versucht seinen Weg zwischen den Gefühlsextremen zu finden und verirrt sich dabei nicht selten im Inneren der eigenen Triebe. Liebe und Hass stehen hier eng zusammen. Man liebt sich leidenschaftlich, um sich im nächsten Moment bis aufs Messer zu bekämpfen. Spielt das ewige Spiel von Opfer und Täter mit wechselnden Rollen und fügt sich selbst und dem anderen tiefe, seelische Wunden zu. Wo Pluto die Überhand gewinnt, kann ein Liebesdrama entstehen, das bis zur völligen Erschöpfung der beiden Partner führt. Fanatismus beinhaltet an sich schon den Begriff des Zuviel. Zuviel Emotion, zuviel Leidenschaft, zuviel Triebkraft….. Fanatismus lässt in seiner Besessenheit keinen Raum für etwas anderes. Beide Partner drehen sich in Ihrer Fixierung umeinander, verschlingen sich in ihren Vorstellungen, die sie vom anderen haben und sehen in ihrer Blindheit nicht, wie der andere wirklich ist. Sie versuchen mit Manipulation die Wirklichkeit nach ihrem inneren Bild zu formen und werden dadurch von einem maßlosen Egoismus getrieben, der den anderen nicht so sein lassen kann, wie er ist. Ob das dann noch Liebe ist?
Sicherlich gibt es viele Menschen, die sich nach mehr Spannung und Aufregung im Liebesleben sehnen. Langeweile im Alltag und Beruf machen dafür anfällig. Auch die Botschaften von Film und Fernsehen gaukeln uns oft vor, wie toll leidenschaftlich das Liebesleben sein sollte. Doch wer solch eine Extremliebe und ihre Auswirkungen einmal erlebt hat, wird vorsichtig mit dem, was er herbeisehnt. Denn die Zerstörungskraft einer „Zuviel – Liebe“ ist gewaltig und wird zuanfangs einfach unterschätzt. Vielleicht einfach aus dem naiven Glauben heraus, dass man schon alles unter Kontrolle halten wird. Und wenns’s zu schlimm werden sollte, kann man ja immer noch aussteigen. Doch das funktioniert leider nicht. Niemand kann von einem rasenden Intercity abspringen und Notbremsen wurden nicht eingebaut. Doch Grau ist alle Theorie und in der Praxis wird sich wohl kaum jemand von rationalen Überlegungen von einer amour fou zurückhalten lassen. Vielleicht ist das ja auch so gewollt und das Schicksal schreibt den Text für jedes Liebesdrama wieder neu.
Erschienen in Sternbild Ausgabe Januar 09, Rubrik „Astrologie und Liebe“
Starker Selbstwert: die Basis für jede glückliche Beziehung
Eigentlich ist das Geheimnis einer glücklichen Beziehung gar nicht so schwer zu entschlüsseln: wer mit sich selbst glücklich ist – der ist es auch mit dem anderen! Doch um dieses Glück erfahren zu können, braucht es ein gesundes und stabiles Selbstwertgefühl. Denn nur wer in sich selber ruht, steht auf festem Boden, wenn es von Außen mal stürmisch wird. Nur wer sich selber schätzen gelernt hat, kann auch das Wertvolle in einem anderen Menschen sehen.
Kaum ein Bereich im Leben ist so sehr mit Wünschen, Hoffnungen, Träumen und Erwartungen überfrachtet wie das Beziehungsleben. Nach landläufiger Meinung braucht man doch nur den richtigen Partner zu finden, um endlich das begehrte Dauerabonnement in Sachen Glück zu bekommen. Ist doch alles ganz einfach – oder nicht? Irgendetwas scheint jedoch am Ticketschalter schief zu laufen, denn das Abo erweist sich oft als Dauerkarte für Unzufriedenheit und Unglücklichsein. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Das Ich im Du
Eine etwas provokante, aber recht treffende These, stellt Eva-Maria Zurhorst in ihrem Buch „Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest“ auf. Sie schreibt: „Es ist egal wen Sie heiraten. Sie treffen dabei sowieso immer nur sich selbst. Der andere ist immer nur die Leinwand, auf der Sie Ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse, Ihre eigene Fähigkeit zu lieben, Ihre eigenen Blockaden und Verletzungen, Ihre eigene Lebendigkeit, vor allem aber Ihre eigene tiefe, innere Spaltung zwischen Sehnsüchten und Ängsten betrachten können. Kein Partner kann Ihnen zu Wohlergehen verhelfen, noch kann er Ihnen Selbstachtung oder Selbstvertrauen gewährleisten. Egal, wen Sie treffen, Sie begegnen am Ende sich selbst.“ Eigentlich schade – es wäre doch viel bequemer, die Verantwortung für die Befriedigung unserer Sehnsüchte und Wünsche an den Partner abgeben zu können. Und wenn man sich so umschaut, ist genau das der Fall in vielen Beziehungen. Nach dem Motto „Mach mich glücklich“ wird der Partner mit Erwartungen überhäuft, die er nie im Leben auch nur ansatzweise erfüllen könnte. Gerade im engen Zusammenleben mit einem Partner finden wir uns immer wieder auf uns selbst zurückgeworfen. Er ist der Spiegel für unsere Verhaltensweisen, der Reibungspunkt für unsere Ecken und Kanten. Es sind immer die eigenen Begrenzungen und Beschränkungen, die wir über den anderen Erfahren können. Somit ist er unser Lernobjekt Nummer eins, wenn es darum geht, mehr über sich selbst in Erfahrung zu bringen. So können wir im anderen unsere nicht gelebten, verdrängten Persönlichkeitsanteile erkennen. Die Frage die es zu stellen gilt ist nicht „was tut mir mein Partner an?“ sondern „was bewirkt sein Verhalten in mir?“. Nach dem Spiegel-Prinzip kann z.B. die vermeintliche Rücksichtslosigkeit des anderen der Ausdruck für meine Rücksichtslosigkeit im Umgang mit mir selber sein. Wichtig ist die Erkenntnis, dass wir das, was wir glauben im Außen wahrzunehmen, bei uns selbst suchen. Insofern können gerade schwierige Beziehungen viel dazu beitragen, sich selbst zu erkennen und lange verborgene Schwächen, Wunden und Verletzungen wieder ins Bewusstsein zu holen. Denn nur was im Bewusstsein ist, kann angeschaut und geheilt werden. Es ist sicherlich nicht einfach zu ertragen wenn der Partner uns beispielsweise schlecht behandelt, betrügt oder missachtet. Das erzeugt Wut, Trauer, Ohnmachtgefühle und Ängste in uns. Doch oft spiegelt sich hier unser eigener Schatten von zerstörerischem Selbsthass. Und es wäre dann der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen und für unser Seelenheil tun.
Wer sich selbst hasst, hasst auch andere
Dieses Phänomen ist uns schon oft in Film und Literatur begegnet. Der grobe Bösewicht, den alle fürchten, weil er mit seinem Verhalten andere verletzt. Die keifende Xanthippe, die mit ihrer ekelhaften Art, Mann, Kinder und die restliche Verwandtschaft tyrannisiert. Meist werden sie im Laufe der Erzählung „umgedreht“. Durch positive Erlebnisse, durch Zuwendung und Aufmerksamkeit, weicher und verständnisvoller. Menschen die so kalt und hartherzig auftreten, tragen meist sehr große seelische Verletzungen in sich. Ihr Ziel ist nicht, durch Grobheiten und Rücksichtslosigkeit anderen weh zu tun, sondern sie möchten Abstand wahren. Niemand soll mehr so nahe an sie herankommen, dass er sie emotional berühren könnte und damit wieder den alten Schmerz spürbar macht. Solche Menschen haben den Zugang zu sich selbst verloren und niemand außer ihnen selbst kann die dicke Mauer um ihren weichen Kern einreißen. Es versteht sich von selbst, dass eine Beziehung mit einem derartig verletzten Menschen nur schwierig sein kann. Sobald ihm der Partner zu nahe kommt, beißt er ihn weg. Ein ständiger Kreislauf gegenseitiger Verletzungen tut sich auf. Ehemals gut gemeinte „Rettungsversuche“ schlagen langsam um, wenn es darum geht, sich selbst gegen die ständigen Anfeindungen wehren zu müssen. Irgendwann wird dann zurückgeschlagen und so kann das destruktive Verhalten eines Partners langsam auf den anderen abfärben. Keine schöne Vorstellung!
Das Problem bei Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl ist, dass sie sich nicht selber schätzen können und damit auch nicht in der Lage sind, andere zu schätzen. Wer sich für fehlerhaft und nicht liebenswert empfindet, entdeckt auch beim anderen schnell Fehler, die ihn unmöglich machen. Wer nicht in sich ruht, kann auch nicht über den Dingen stehen, großzügig sein oder verzeihen. Dafür braucht es einen festen inneren Standpunkt. Hier spielt auch der Neid herein, dass der andere etwas haben könnte, was man vielleicht selbst gerne hätte und es ihm deshalb nicht gönnen mag. Wer kennt nicht die frischgetrennte Frau, die am neuen Lover der besten Freundin kein gutes Haar lassen kann. Oder den karrierebewussten Single, der das Familiengetue seines Freundes einfach nur zum Kotzen findet und ihm rät, seine Kids doch zum Spielen auf die Autobahn zu schicken.
Selbstwertgefühl – die Grundlage für bedingungslose Liebe
Der Weg zu mehr Selbstwert hat wie jeder Weg einen Ausgangspunkt. Dieser Punkt heißt Minderwertigkeitsgefühl. Die meisten von uns kennen das Gefühl ziemlich genau. Es ist diese Stimme in uns, die uns oft den ganzen Tag volltextet mit Bemerkungen wie „du kannst aber auch gar nichts!“, „wie siehst du nur wieder aus!“, „was bist du doch für ein Idiot“ oder „das schaffst du sowieso nie!“. Würde uns das Jemand so ins Gesicht sagen, würden wir uns das wohl kaum bieten lassen. Aber da das Übel in uns selber sitzt, können wir weder weglaufen noch dagegen argumentieren. Wir selbst sind unser schlimmster Feind. Und dort liegt der Ansatzpunkt. Wir müssen (wieder) lernen, unser bester Freund zu sein. Anfangen sollten wir damit, uns in Gedanken nicht immer klein zu machen, uns ermutigen und gut zureden. So, wie wir das auch für jemanden, den wir gern haben, machen würden.
Aber es ist auch wichtig, mit einigen Irrtümern aufzuräumen. Viele Menschen glauben nämlich, wenn sie schöner, reicher, klüger, jünger......wären, würde ihr Selbstwertgefühl wachsen. Doch das ist nicht so. Schauen Sie doch mal die Menschen an, die all diese Eigenschaften haben oder hatten – Marilyn Monroe, Christina Onassis, Robbie Williams usw. Ein Selbstwertgefühl, das sich nur auf Äußerlichkeiten und bestimmte Leistungen aufbaut, ist ein Schein-Selbstbewusstsein. Und diese Art von Selbstbewusstsein ist extrem anfällig, denn wenn die Bestätigung von Außen oder die erbrachte Leistung ausbleibt, stürzt der Selbstwert in sich zusammen. Paradox an der Leistungsgeschichte ist auch, dass bei guter Leistung und Bestätigung von Außen der innere Kritiker wieder zuschlägt und sofort abwertet, was eigentlich positiv erbracht wurde. „Ach, das war doch gar nicht so toll!“, „ das hätte ich noch viel besser, schneller, schöner......machen können“, „im Vergleich zu XY war meine Leistung doch echt armselig“. Ein Dieter Bohlen würde sich und seine Leistungen wohl kaum auf diese Art beurteilen!
Wichtigster Schritt hin zu mehr Selbstwert ist, den inneren Nörgler zum verstummen zu bringen. Dann ist ein energisches, gedankliches Stop! vonnöten. Und eine Liste mit persönlichen Fähigkeiten erstellt, die in Akutfall gelesen werden sollte. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Menschen Fehler machen und Fehler machen ist sogar gut. Denn wie sollte man sonst dazu lernen? Unterscheiden sollte man auch zwischen dem Selbst und dem Verhalten. Das Verhalten kann so oder so sein, ist von zahlreichen Faktoren abhängig und hat nichts mit dem gleichbleibenden Selbst zutun. Niemand von uns besteht nur aus Stärken. Wir alle haben unsere hellen und dunklen Seiten und gerade das Zusammenspiel von beiden macht unsere Individualität aus. Wer sich auf den Weg macht, sich selbst lieben zu lernen, wird irgendwann an dem Punkt ankommen, wo er nicht nur ja zu sich selbst, sondern auch ja zu anderen Menschen sagen kann. Wer sich selbst als wertvoll und liebenswert erlebt, der kann auch im anderen dessen liebenswürdigen Seiten erkennen. Wer in sich selber ruht, fühlt sich nicht ständig von Außen bedroht oder verletzt, der kann entspannt bleiben, auch wenn mal Probleme im Umgang mit dem Partner auftauchen. Glücklich sein und glücklich werden beginnt also in uns selbst. Niemand kann uns das von außen geben und wir können es auch von niemandem einfordern. Sich das einzugestehen ist ein großer Schritt vorwärts für das Liebesleben, das damit von einem ungerechtfertigten Erwartungsdruck befreit wird.
Erschienen in Sternbild Ausgabe Februar 09, Rubrik: „Astrologie und Liebe“
Warum es so gut ist, dass Liebe blind macht
Wir schweben auf Wolken, sehen alles in rosigem Licht, malen Herzchen auf Papier und glauben an ein geflügeltes Wesen, das Liebespfeile in Herzen schießt – kitschig, nicht wahr? Aber dennoch verbinden wir diesen Kitsch mit Liebe und Verliebtheit und stecken wir gar selbst in diesem Zustand, können wir auch gar nichts Seltsames daran finden. Und gerade dieser rosarote Zuckerguss kann der Klebstoff sein, der Beziehungen zusammen hält!
Viele träumen davon, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Nehmen dafür die Dienste von Wahrsagern, Kartenlegern oder auch Astrologen in Anspruch. Doch was bringt es, den Schleier über der Zeit lüften zu wollen? Denn nicht immer ist es das auf Rosen gebettete Glück, was uns in der nächsten Zeit erwartet. Und mit der Liebe läuft es beinahe ähnlich. Den rosaroten Schleier der ersten Verliebtheit vorzeitig zu heben, kann eine Realität zutage bringen, die man lieber verborgen gehalten hätte....
Von Traumprinzen und -prinzessinnen
Wenn die Magennerven nur noch flattern, sodass Essen zur Nebensache wird und das Herz in wilden Galoppsprüngen durch die Brust zu toben scheint, dann ist ernsthaft Aufruhr im Körper angesagt. Feuchte Hände, heißer Kopf, Schlaflosigkeit und Gefühle zwischen Jubeln und Heulen – nein, krank ist man nicht. Oder doch? Wenn man der Wissenschaft Glauben schenken darf, ist der Gedanke an eine Erkrankung gar nicht so abwegig. Grundlage der Verliebtheitssymptome sind demnach veränderte biochemische Reaktionen und Veränderungen bei Neurotransmittern und Neurohormonen. Das überschwängliche Glücksgefühl, das gerade in der ersten Zeit der Verliebtheit so besonders intensiv erlebt wird, ist auf eine vermehrte Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin zurückzuführen. Dieses Hormon wird auch als „Belohnungs-Neurotransmitter“ bezeichnet. Wer sich also auf einen Sexualpartner und die damit verbundenen „Folgen“ einlässt, wird mit diesem Hochgefühl belohnt. Ganz schön schlau von Mutter Natur, um den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sichern! Wissenschaftlich nachgewiesen wurde ebenfalls, dass der Serotoninspiegel bei Verliebten extrem niedrig ist. Eigentlich ein Widerspruch, den es wird als „Glücks-Botenstoff“ bezeichnet und sollte demnach in reichlicher Menge vorhanden sein. Die Erklärung lässt sich im Vergleich finden. Denn es ist bekannt, dass Neurotiker ebenfalls einen sehr niedrigen Serotoninspiegel haben. Verliebtheit und neurotisches Verhalten haben also eine gewisse Ähnlichkeit. Die beiden Verliebten sind nahezu zwanghaft aufeinander fixiert und nehmen die Welt um sich herum kaum noch wahr. Realistisch betrachtet keine so nette Vorstellung von den eigenen Hormonen zur Liebe „gezwungen“ zu werden, oder? Für das manchmal sehr irrationale Verhalten von Verliebten, der verminderten Hemmschwelle und der typischen Euphorie wurde der Botenstoff Neurotrophin (NGF) ausgemacht. Barfuss im Regen tanzen, Rosenblätter schneien lassen oder seitenlange Liebesbriefe verfassen nur eine Folge von zuviel NGF im Blut? Auch Oxytozin, das „Schmuse-Hormon“, das menschliche Bindungen untereinander stärkt, kommt in erhöhtem Maße vor. Und dann ist da noch die verwirrende Geschichte mit dem Testosteron, dem „Männlichkeitshormon“. Die Natur weiß eben genau, was Frauen wünschen – einen guten Vater für ihre Kinder nämlich, der etwas länger bleibt, als nur die Zeit, die es braucht, um die Saat auszubringen. Doch Männer mit einem hohen Testosteronwert wirken zwar besonders männlich und damit attraktiv, sind aber eben auch aggressiv und unbeständig. Letzteres sind keine guten Voraussetzungen für ein fürsorgliches Familienoberhaupt. Doch auch für diesen Widerspruch hat die Natur eine Glanzlösung: bei verliebten Männern sinkt der Testosteronwert des Blutes ab, während er bei den verliebten Frauen ansteigt. Man gleicht sich also an, verwischt den trennenden Unterschied und ist sich einig in der gemeinsamen Zielsetzung – Nachwuchs zu erzeugen. Doch allzu lange währt diese Einträchtigkeit dann doch nicht. Nach ca. ein bis zwei Jahren haben sich die Hormonspiegel wieder normalisiert. Schade eigentlich! Oder doch gut so? Denn wo auf Dauer Gleichmacherei herrscht, fällt das Reizvolle dieses Unterschiedes
weg. Ja, die Wissenschaft kann schon sehr ernüchternd sein. Wo bleibt in diesem Szenario Platz für den Traumpartner? Für diesen einen, einzigartigen und so ganz besonderen Menschen, für den das Herz aufgeht? Liebe und Romantik soll nichts weiter sein, als ein paar durchgeknallte Hormone, die auf Befehl der inneren Biologie hin anfangen verrückt zu spielen und ein bislang wohlgeordnetes Menschenleben in ein völliges Chaos tauchen können? Mag ja auch alles stimmen, aber Liebe und Verlieben ist vor allem und in erster Linie ein Gefühl. Ein Gefühl, das oft umso intensiver wird, je mehr es von Illusionen gespeist wird.
Rosarot ist die Brille, die die Liebe färbt
Die Zuneigung zu einem anderen Menschen ist eines der intensivsten Gefühle, die wir entwickeln können. Und einiges spricht dafür, dass gerade diese Intensität durch eine Einengung des Bewusstseins erreicht wird. Das bewirkt in der Folge, dass wir das Objekt unserer Zuneigung nicht vorurteilsfrei wahrnehmen können, sondern eher falsche einschätzen. So werden Fehler und Mängel der anderen Person einfach „übersehen“ oder, als Steigerung des Ganzen, sogar ins Positive verkehrt. Als Tom und Annika sich kennen lernten, war sie beeindruckt von seiner offenen und lockeren Art, wie er sie gleich ansprach und in ein zwangloses Gespräch verwickelte. Annikas Freundin Nadine jedoch war ziemlich angenervt von dem hohlen Schwätzer, der sich so aufdringlich zwischen sie und ihre Freundin gedrängt hat. Doch Bemerkungen darüber prallten an Annika ab wie Regentropfen an einer gewachsten Oberfläche. Sebastian verliebte sich in Kirstens fürsorgliche Art und liebevolle Anteilnahme. Nach zehn Jahren Ehe jedoch fand er es gar nicht mehr witzig, wenn sie ihm rein gar nichts zutraute und ihm im privaten Bereich alles aus der Hand nahm. Schließlich ist er ein erwachsener Mann, der selber weiß ob er Handschuhe anziehen möchte oder lieber den gelben oder roten Pulli zur neuen Jeans.
Verliebtheit ist eben kein Dauerzustand! Auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen. Aber eigentlich auch logisch. Denn welches Körpersystem sollte diesem hormonellen Dauerbeschuss schon Stand halten? Oder wie viel Verrücktheit kann ein ganz normales Leben aushalten? Irgendwann pendelt sich alles wieder auf einem einigermaßen mittleren Niveau ein und manch einer verliert dann seine rosarote Brille. Und einmal abgenommen und die Wahrheit erkannt, kann leider nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wer dann den Fehler begeht und sich auf die Schwächen und Fehler des anderen einschießt, hat mit der Auflösung der Beziehung begonnen.
Daher gibt es nicht wenige Experten, die für ein dauerhaftes Liebesglück dazu raten, die rosarote Brille aufzubehalten. Denn nichts ist so hilfreich wie sie, wenn es darum geht, sich die Illusion vom Traumpartner zu erhalten. Positive Illusionen unterstützen uns bei der Idealisierung des Partners. Wir sehen ihn in seiner geschönten Form, ohne Fehl und Tadel, unseren Ritter oder unsere Prinzessin des Herzens. Ach ja – die Romantik. Von den einen als Kitsch verlacht von anderen als hohe Kunst der Minne gelebt. Doch sie kann der Klebstoff sein, der eine Beziehung über alle alltäglichen Belastungen hinweg in eine rosarote Seifenblase verpackt und über alle Abgründe hinweg schweben lässt. Hört sich schmalzig an, soll aber tatsächlich funktionieren. Es gibt Untersuchungen dazu, dass dauerhaft glückliche Paare es geschafft haben, sich ihre ganz persönliche Liebes-Seifenblase zu erhalten. Die ihre gemeinsame Geschichte pflegen und sich immer wieder zurück erinnern, wie einmal alles begonnen hat. Die diese Geschichte ausschmücken und überzeichnen, bis sie zu etwas ganz Einmaligen, Außergewöhnlichen geworden ist. Der Partner wird dann zu dem oder der einzigen Richtigen, der über jeden Zweifel erhaben ist. Und mit diesem Wissen lassen sich alle Hürden und Krisen bestens meistern. Wer auch nach langen Ehejahren sein schiefes Grinsen einfach anbetungswürdig oder ihren x-beinigen Gang einfach niedlich findet, ist auf dem richtigen Weg. Sich immer wieder das Bild des Menschen zurück zu holen in den man sich einmal verliebt hat, wird einem dabei helfen. Gespräche im Stil von: „Weißt du noch Schatz, damals als wir........“, tun ihr übriges dazu. Die Orte des ersten Beisammenseins aufzusuchen, Jahrestage und einschneidende Ereignisse der Paargeschichte ernst und wichtig zu nehmen, tragen ebenso dazu bei, den rosaroten Zauber zu erhalten. Und ganz wichtig – sich von nichts und niemanden aus dieser positiven Illusion herausreißen lassen. Wenn andere über den eigenen Partner herziehen, sich über seine Schwächen und Fehler auslassen – einfach überhören! Sie ganz alleine wissen, was Sie an ihm oder ihr haben und nur Sie bestimmen den Wert, den Ihr Partner für sie hat. Schließlich mögen Sie ihn doch so, wie er ist. Und genau so ist er der einzige richtige Partner für Sie! In unserer derzeitigen Gesellschaft ist es zur Normalität geworden, über alles und jeden herzuziehen. Jeder fühlt sich berufen, seine Meinung und sein Urteil in die Welt zu posaunen. Ist sie dadurch schöner, reicher, lebenswerter geworden? Wenn Sie also das große Glück haben, eine rosarote Brille mit jemandem teilen zu können, lassen Sie sich diese ja nicht von der Nase reißen! Genießen Sie Ihre schöngefärbte Welt in dem Wissen, dass all die Neider und Realisten Ihnen nicht in diese Sphären folgen können. Und das ist auch gut so!
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